Eine Zugfahrt die ist lustig ...

Die letzten Reisen zwischen den Konzerten, absolvierten wir also mit dem Nachtzug auf der Transsibierischen Strecke. Uns war der Luxus gegönnt, nur zu zweit in den vierer Abteilen zu sein und nicht wie das gemeine Volk in grossen Sammelabteilungen zu min. 30 Leuten. Der Zug an sich hatte kein deut seines sechziger Jahre Charmes verloren. Die Polsterungen waren mit edlen Kunstleder überzogen, die Wände hatten Holzoptik und der Boden war mit feinster Teppichware ausgelegt. Selbst die Lampen waren stilsicher ans Ambiente angepasst und würden bei uns im Antiquitäten Handel, bestimmt 100,- Eur. bringen. Unsere erste Fahrt war dann auch gleich mal 18 Stunden, zum eingewöhnen und noch scheuten wir uns, die Matratzen und Decken zu benutzen, aus Angst an einen Allergischen Schock zu verenden. Was man auch noch wissen sollte, ist dass in Russland es nur zwei Arten von Raumtemperaturen gibt: Aussentemperatur und Saunatemperatur. Die Heizkörper haben keinen Regler und wenn man nach fragt, gibt es als Antwort, man könne ja das Fenster öffnen. Leider war es im Zug nicht möglich die Fenster zu öffnen, da schon alles Winterfest gemacht wurde und so war es beim aufwachen, gemütliche 35 Grad im Wagon, woraufhin gleich 2 Sänger die Stimme verloren. In weiser Voraussicht, hatten wir uns für die nächste Zugfahrt Schilder machen lassen, auf denen stand: Bitte die Heizung aus machen, ohne wenn und aber. Die Quittung waren dann 8 Grad am Morgen, wo die Versuchung die Milbendecke zu benutzen schon ziemlich gross war, aber ich blieb standhaft.
So eine lange Zugfahrt mit eingeschrenkten Entertaiment Angeboten, überlebt man eigentlich nur mit dem gewissen Alkohol Anteil. Das war anscheinend auch ein ungeschriebenes Gesetz, da Alle inklusive des Restaurantpersonals, lallent, torkelnd, pöbelnt und gröhlend dem Zug beiwohnten. Heute, vor der wahrscheinlich letzten Zugfahrt, haben wir insgesamt über 85 Stunden im Zug verbracht, ergo seine gesammte Freizeit, zwischen im Hotel duschen, arbeiten, Abendessen, Sachen packen und wieder zum Bahnhof fahren. Meine Energie neigt sich dem Nullpunkt und man sehnt sich nach dem nächsten wirklichen Offtag in Minsk. 4 Tage noch.

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Ready for takeoff

Was ich beim letzten Post noch nicht wusste, es war der letzte Flug für eine lange, lange Zeit und ich hätte es noch mal geniessen müssen mit 800 anstatt mit 80 km/h zu reisen, dazu aber später mehr.
Irkutsk hat eine ganz bezaubernde Innenstadt, wo man so richtig die "russische Seele" spüren kann. Leider habe ich sie mir nicht angeguckt und war stattdessen in einem Supermarkt, da mich eine halbe Stunde Strassenbahn fahren eher abschreckten.
Wir spielten auch gleich im eigenen Hotel, was Vor- und Nachteile hat, zwar ist der Weg zur Arbeitsstelle kurz, doch sind meisst Hotelhallen eher grosse Vortragsräume mit kleiner Bühne und schlechter Akustik. Der örtliche Promoter, war auch eher eine Gattung Mensch der griesgrämigen Art und liess uns devinitiv seine Unlust spüren. Trotz allen Wiedrigkeiten, war das Publikum begeister und wir gaben wie immer unser Bestes für eine gute Show. Eigentlich sollten wir in die nächste Stadt fliegen, doch waren wir anscheinend die Einzigen die das wollten und so wurde der Flug ersatzlos gestrichen. Das Alternativprogramm war dann eine 18 Stunden lange Zugfahrt auf der Transsibierischen Schienenstrecke, durch die unendlichen Weiten der Tiger. Der Vorteil: eine nicht zu schlagende Beinfreiheit.

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So Allgemein

So weit östlich in Russland sind einige Sachen dann doch Anders. Man kann schon sagen, dass die Menschen hier nicht wirklich viel bzw. keine Erfahrung mit Tourismus haben und auch dem Ausländer eher abgeneigt sind. Auf der Strasse lachen, scheint auch verboten zu sein und man übt sich im Gegenzug in finstere Miene machen, wo sie für mich echte Weltmeister sind. Die Kommunikation ist schwer, denn selbst wenn Englisch Ansatzweise verstanden wird, bedeutet es noch nicht das die Kommunikation geklappt hat. Als Beispiel aus einen Restaurantbesuch: man bestellt mit Fingerzeig aus der Karte ein leckeres Gericht und wärend einen das Wasser im Mund zusammen läuft, in Gedanken an das warme Glück was gleich gut duftent vor einen steht und sämtliches Essen der Kollegen vor seinem da sind, beschleicht einen das ungute Gefühl, dass etwas mit der Bestellung dann doch nicht geklappt hat. Die Antwort auf die Nachfrage (mit Fingerzeig) bei der Kellnerrin, lautet dann auch ganz kurz und knapp "Njet!". Anscheinend waren die Nüsse aus, dann nimmt man halt den Fisch, der geht am schnellsten.
Wärend im Osten japanische Autos mit Rechtslenker gefahren werden, gibt es je mehr man Richtung Westen kommt, immer mehr Westautos. Der Trend geht aber im jeden Fall in Richtung gross bis riesig. SUVs und Geländewagen jeglicher Bauart, was bei den Strassenbedingungen auch Sinn macht und bei 50 Cent Spritpreis auch keinen wirklich weh tut. Dazwischen immer wieder echte Schrottkisten der Extraklasse, die dann meist lautstark an einen vorbei ziehen, um dann in einer gigantische Russwolke zu verschwinden.
Die Frauen hier sind gross und dünn und tragen immer Highheels, aber nicht diese möchtegern Dinger wie bei uns, unter 12cm geht da nix und dann aber über nicht asphaltierte Gehwege, elegant wie auf einem roten Teppich.
Richtig günstig ist es nicht, Restaurant haben ähnliche Preise wie bei uns. Das Einzige was wirklich günstig ist, sind Zigaretten und Bier, für umgerechnet 1 Euro. Das Essen ist gut bis sehr gut, wie auch bei uns kommt das aufs Restaurant an.
Überall laufen Hunde rum, es gibt aber eher keinen der sich einen wirklich hält. Die eher ängstlichen Hunde laufen dann in kleinen Rudeln rum, gerne an Bahnhöfen und sogar auf dem Rollfeld.
In einer Stadt gibt es eigentlich immer nur drei hübsche Gebäude, der Bahnhof, das Theater und die Kirche.
Die Strassen sind meist 6 Spurig und stark befahren, was ein stetigen Smog zur Folge hat. Es ist zwar alles grau und staubig, aber es liegt kein Müll, Kippen oder Blätter auf den Wegen, da es unglaublich viele Leute gibt die die Strassen kehren, wahrscheinlich eine Art ABM, denn Arbeit haben ist hier wichtig. Da gibt es den Mann der den ganzen Tag in einem kleinen Häuschen sitzt, nur um die Schranke für die Zufahrt zum Hotel auf und zu zu machen. Es gibt die Etagendamen im Hotel, welche beim verlassen gucken, was du aus der Minibar hattest. In einen 20qm Handyladen arbeiten 3 Berater und 2 Kassierer, aber nicht ein Einziger Kunde. Eine Schicht einer Empfangsdame geht über 24 Stunden, ohne dabei auf dem Tresen ein zu schlafen, vom Pagen gar nicht erst zu reden, denn der muss stehen.
Viel Geld wird aber nicht verdient, den das gemeine Volk geht nicht ins Restaurant, sonder kauft sich Eingemachtes oder Trockenfisch. Ich frag mich nur, wie und wer sich dan die Ticketpreise von bis zu 100,- Euro leisten kann, vieleicht ist das auch der Grund weshalb wir nicht nur vor ausverkauften Häusern spielen.

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Vladivostok die 2te

Ein ganz heisser Tip von mir: solltet ihr ein mal mit einem A320 fliegen und euch einen Platz aussuchen dürfen, dann empfehle ich die Reihe 11 und 12 mit Notausstieg. Es sind bestimmt 20 cm mehr Beinfreiheit und wenn noch der Platz neben einem frei ist, dann scheiss auf Bussinesclass.

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Der Flug nach Irkutsk, dauert etwa 4 Stunden und ist total langweilig, falls man nicht grade schläft. Er ist sogar so langweilig, dass nach dem die Fliegerzeitschrift in kyrillisch "durchgelesen" wurde, sogar die Safety Instructions mit ihrem peppen Design interessant wirken.

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Ach ja, Vladivostok war gut. Technik war hervorragend, leider war die Show nicht ausverkauft. Der Promoter wollte uns noch was gutes tun und hat uns in ein teureres Hotel gebucht, was auf den ersten Eindruck auch besser war. An das braune Wasser habe ich mich schon fast gewöhnt aber die Mehrfachbelegung der Zimmer war für mich neu.

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Nun schon wieder Flugzeug, diesmal mit "The Glitch Mob" sehr gut. Irkutsk dann +2 Stunden, +2 Grad und Schneeregen.

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Die ersten Tage

Kabarovsk liegt an einem Grenzfluss zu China, ist eine mittelgrosse Stadt und war der Ort für unser erstes Konzert auf dieser Tour. Alles lief super, der Transport zum Venue, die Technik vor Ort, die Techniker selbst, das Catering, das Hotel, das Abendessen. Ich machte mir schon Gedanken über unsere stetiges "Lustigmachen" der kleinen / grossen Unterschiede hier in diesem Land. Immerhin waren wir hier zu Gast und die Menschen leben hier seit Generationen unter teils schwierigen Bedingungen, man würde ja nun auch nicht in ein Drittes Welt Land fliegen und sich darüber lustig machen, das die 10 köpfige Familie nur 1 Liter dreckiges Wasser zum waschen hat. Ok der Vergleich ist ein wenig überzogen, aber ihr wisst, was ich meine. Ich denke man sollte es aber auch nicht zu verbissen sehen und wenn man mit dem nötigen Respekt gegenüber ihnen begegnet, sollte einen ein Bisschen Amüsieren erlaubt sein, immerhin ist dies für die Meisten von uns auch eine neue Erfahrung und oft wird dann auch das Mistrauen, die Angst oder das Nichtverstehen mit einem Lachen verdeckt, um sich selbst ein wenig die Nervösität zu nehmen.
Der Tag verlief also unerwartet gut, bis wir uns dann noch entschlossen, einen Bierchen im Hoteleigenen Club zu trinken. 11ter Stock hörte sich ganz gut an, doch der Club war leer, bis auf 4 volltrunkende Russen, die anscheinend nur auf "Frischfleisch" gewartet hatten. Wir gaben dem Ganzen aber doch noch eine Bierlang Chance, sich zum positiven zu entwickel, was aber nicht geschah. Der nette junge und muskelbepackte Mann neben mir, meinte unentweg in russisch auf mich ein zu reden und dazu Gesten mit seinen Händen zu machen, die man in jeden Fall aggressiver Natur zu zu schreiben würde. Einen Lacher gabs dann schon noch, als ein bestellter Vodka-Lemon sich als ein Glas Vodka mit zwei Zitronenscheiben raus stellte. Das fanden dann wiederum die grimmigen Thekendamen, worauf wir glad 350 Rubel für ein Bier zahlen mussten, was ungefähr 8,50 EUR entspricht. Die Begründung war aber nicht das Bier selbst, sondern der Eintritt in den Club. Da war es fast schade, dass es nicht mehr zur erwarteten Schlägerei gekommen ist.

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Sakahlinksk

Wie erwartet schrumpfte meine Beinfreiheit auf die Grösse einer zerschmetterten Kniescheibe.

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Sakahlinksk ist die Insel über Japan und gehörte auch mal Japan, bis dann eben der Russe kam. Das Hotel war eine grosse Blockhütte aus Vollholz und für russische Verhältnisse, sehr luxeriös. Sonst gibt es eigentlich nichts zu berichten, die Stadt war unspektakulär und der Gig eine einzige technische Katastrophe, wovon das Publikum aber anscheinend nichts mitbekam, da wir hinterher Glückwünsche und Rosen, für das beste Konzert, dass es jemals gab, bekamen. Tja, die Standarts sind hier anscheinend etwas anders und so sitze ich schon wieder im Flieger richtung Vladivostok, mit "Bath" in den Ohren und schaue mir das Balett der Stuardessen und ihrer Sicherheitshinweise an.

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Zwischenstop Vladivostok

Nach einer durchflogenen Nacht, gönnt man uns eine regenerierungs Nacht im Edelbunker "Equador", in der Welturlaubsstadt Vladivostok.

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Obwohl Vladivostok definitiv tiefstes Asien ist, gibt es hier zu 98% nur Russen und die restlichen 2% sind dann Japaner im Urlaub. Das könnte daran liegen, dass weder China noch Nord Korea Leute ausreisen lassen, die Stadt anscheinend bis 1991 eine Art Stadtstaat war oder dass es hier so deprimierend ist, dass man freiwillig hier nicht hin will. Da hilft auch nicht das Bild eines Aufklebers, welcher eine Timmendorfer Strand Atmosphäre mit Liegestuhl zeigt, irgendwas auf russisch steht und das Jahr 2050 (leider kein Bild). Da kann man nur Vermutungen aufstellen und auf überschwenglichen Optimismuss tippen. Vielleicht sollte ich mir hier was für die Zukunft kaufen, so als Wertanlage, ich hab da auch schon das richtige Objekt im Auge: "Penthouse mit Meerblick"

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Und zu guter Letzt noch ein Stimmungsfoto, bevor wir dann jetzt nach Kabarosk fliegen.

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Es ist mal wieder so weit ... weg.

Nach langer Abstinenz, reanimiere ich mein kleinen Blog und schreibe mal wieder was. Grund hierfür ist die anstehende Tour durch Russland und zwar diesmal richtig! Von der Insel über Japan, bis ans rote oder schwarze Meer (so genau weiss ich das jetzt auch nicht). Den Anfang macht Kabarovsk, welches ungefähr eine Flugstunde von Vladivostok und ein halben Fingerbreit auf der Landkarte von der Grenze zu China liegt. Dort hin, an das andere Ende des Kontinents, kommt man natürlich nur mit dem Flugzeug. Um genau zu sein, in etwa 19 Stunden oder 12 reinen Flugstunden. Und so sitze ich hier in der Hoffnung, dass was das Itinerary verspricht in Wirklichkeit nur halb so schlimm ist und das der nächste Flieger mir ähnlich grosszügige Beinfreiheit gewährt.

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Aber was heule ich hier rum? Die Tour bestand ja aus 2 Teilen und den erste Teil hab ich schon hinter mir, mit Sonne, Strand und Klippenspringen.

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So könnte man behaupten, ich würde nun den Preis dafür zahlen, wie hoch er seien wird, werden wir ja sehen.
Bis dahin sag ich mal "Nastrovje" und bis zum nächsten Wlan.